Polychrome Quintessenz
Polychrome Quintessenz bedeutet, Farbnuancen eines bestimmten Ortes zu extrahieren.
Die Wahrnehmung der Farben ist dabei entscheidend, das Eintauchen in die Suche nach Farbnuancen, das sich-Fokussieren auf die Farben eines Ortes.
Diese Farben werden auf Papier oder auf Holzplatten angemischt und analysiert.
Aus der Farbnuancen eines Ortes entstehen ortsspezifische Bilder, die stark vergrößerten Pixeln ähneln.
Das ist das polychrom-analytische Blick auf einen Ort, eine Art koloristisches Mapping, bei dem man gleichzeitig heraus- und hinein-zoomt.
Die Extraktion von Farbnuancen ist eine ortsgebundene Arbeit, d.h., dass ich immer wieder an denselben Ort zurückkehre und immer tiefer in die farblichen Details eintauche, die dieser Ort enthält. Immer mehr Details treten durch Konzentration und Verweilen hervor:
Unendlich viele Farben, ein Farbarchiv, ist in den Pflanzen, Im Boden und im Gestein sowie in den Überresten von Tieren und Menschen zu sehen.
Daraus habe ich Bilder komponiert, Farbtöne auf dem Boden platziert und mit der Kombination experimentiert.
Grosse Farbvielfalt und kräftige Farbtöne gelten in manchen, ins besondere westlichen Kulturkreisen als primitiv und minderwertig.
David Bachelor beschreibt in seinem Essay „Chromofobia“ 2001, wie Farbe als „gefährlich“ gilt: „Farbe wird als ‚fremdartig‘ wahrgenommen – meist als feminin, orientalisch, primitiv, infantil, vulgär, queer. Fremd und daher gefährlich.“ Bachelor sieht bei Archäologen des 18. Jahrhunderts eine ähnliche Sichtweise.
Johann Joachim Winckelmann veröffentlichte 1764 das Werk „Geschichte der Kunst des Altertums”. Darin heißt es: „Der weiße Marmor reduziert die Sinnlichkeit und strahlt dadurch ideale Schönheit aus, eine Schönheit, die von Spiritualität durchdrungen ist und das Göttliche widerspiegelt.“
Farbe gehörte demnach zur materiellen Welt und hatte in der spirituellen Welt keinen Platz.
Winckelmanns Votum wurde zu einer der Säulen der westlichen kulturellen Identität und ihrer Schönheitsideale.
Heute arbeiten Archäologen daran, die Farbe antiker Skulpturen zu erforschen und wiederherzustellen: es gibt Möglichkeiten, selbst kleinste Spuren von Farbrückständen zu erkennen.
Dieser Fokus auf Farbe wurde zum Ausgangspunkt meines Beitrags zur Ausstellung „Xammlung“.
– Anne-Marie Pedersen 2025
Farb-Archiv Athens in Auszügen
Die Farbnuancen in der Ausstellung Xammlung
Justus-Liebig Univerisität 2025
- + 6. +7. Wand/Stein bei Iero Nymphés 8. Ziegel bei Iero Nymphés 10. + 53. Blatt
- + 17. + 19. +20. + 21. +32. + 37. + 45. + 112. + 113. + 114. Stein
- Hülsenfrucht vom Judasbaum 40. + 41. + 92. Blatt vom Johannisbrotbaum
- Unfruchtbare Gerste 50. + 51. + 93. Nerium Oleander
65.+ 66. + 102. Johannisbrotbaum 84. Tonscherbe 86. Moschus-Reiherschnabel - Medicago Orbicularis 118. Malve 121. Reichardia 125. Grüner Habichtsbart
- Hypochaeris Achyrophorus 130. + 131. Marmor
Verschiedene Orte an denen Polychrome Quintessenz sich bis jetzt entwickelt hat
Akropolis, in der Nähe von Parthenon, Erechtheion, dem Dionysos-Heiligtum und den Iero Nymphés, Athen 2025. Das Projekt in Athen ist inspiriert vom eklatanten Mangel an Farbe, der die museale Präsentation antiker griechischer Skulpturen kennzeichnet. Und auch von der Hintergrundgeschichte, die auf interessante Weise tiefe Spuren in der westlichen kulturellen Identität und der Wahrnehmung von Farbe als Phänomen hinterlassen hat.
KH7 Artspace, Sydhavnsgade, Aarhus C. 2025
Marselisborgskoven, Højbjerg 2024
Brabrandstien, Aarhus 2023
Færker Hede, Fur 2019 bis heute
Der Standort bei Iero Nymphés
Da es nicht erlaubt war, Farben auf die Akropolis zu bringen, musste Plan B darin bestehen, einen geeigneten Platz außerhalb des Zauns, der das Akropolis Gelände umgibt, zu finden. Etwas abseits der viel befahrenen Straße entlang der Akropolis fand ich einen Platz, umgeben von bröckelndem Mauerwerk. Hier habe ich alle 132 Farbtöne gemischt (außer 4, die von der Akropolis selbst stammen).
Litteratur
Werner’s nomenclature of colours
Haishoku Soukan/Sanzo Wada: A Dictionary of Colour Combinations
Jabir ibn Hayyan (c. 721–c. 815): Kitab al-Durra al-Maknuna (The Book of the Hidden Pearl)
Emily Noyes Vanderpoel: Color Problems
Rosch Heider: Universals in color naming and memory
David Bachelor: Chromofobia





